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Farish A Noor (@ Dr. Badrol Hisham Ahmad-Noor)


Aktuelles Projekt

Wissenstransfer zwischen den Anrainerregionen des Indischen Ozeans:

Zur Vermittlung islamischer Bildung an Studenten aus Malaysia und Indonesien in Indien und Pakistan und der Anwendung ihres Wissens in ihren Heimatländern


Schüler einer indonesischen Madrasah beim sammeln von Spenden in einem Internet-Café 
in Jarkata.  
Schüler einer indonesischen Madrasa beim Sammeln von Spenden in einem Internet-Café in Jarkata.
 

Der Indische Ozean als Verbindung zwischen dem Indischen Subkontinent und der malaiischen Inselngruppe diente über Jahrhunderte als Handelsroute und Verbindungsweg. Über ihn gelangten indische Kultur, Wirtschaft und politischer Einfluss nach Südostasien. Das führte zu einer ersten Welle der Beeinflussung durch Indien, die den ganzen malaiischen Archipel erfasste und bis nach Südvietnam reichte. Zu der Zeit als sich der Islam auf dem Indischen Subkontinent auszubreiten begann, gelangte er auch durch indische Sufis (Mystiker), `Ulama' (Religionsgelehrte) und Händler auf die malaiischen Inseln. Form und Inhalt des normativen Islam in Ländern wie Malaysia und Indonesien sind daher immer noch stark indisch geprägt. Muslimische Gelehrte aus Indien - wie der berühmte Alim Sheikh Nuruddin al-Raniri (aus Ranir) - haben erheblich zur Entwicklung der frühen islamisch-malaiischen Gelehrsamkeit im 17. Jahrhundert beigetragen.

In den folgenden Jahrhunderten spielten indische Muslime eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des religiösen und politischen Bewusstseins in Malaysia und Indonesien. Sowohl die indische als auch die pakistanische Nationalbewegung inspirierten in ähnlicher Form Bewegungen in Südostasien. Muslimische Führer und Denker aus Indien, beispielsweise Muhammad Ali Jinnah und Muhammad Iqbal, wurden von Politikern in Südostasien hoch geschätzt und verehrt. Bis heute beheimaten die großen Städte Malaysias, Indonesiens und anderer Länder der Region zahlreiche Moscheen, Schulen, Schreine und Handelszentren, die von Muslimen aus Indien gebaut wurden, seit sie im 15. Jahrhundert in die Region kamen.

  Die berühmte Jami' Moschee in Kuala Lumpur, gebaut während der britischen Kolonialherrschaft im 'Neo-Moghul-Stil'.
 
Die berühmte Jami' Moschee in Kuala Lumpur, gebaut während der britischen Kolonialherrschaft im 'Neo-Moghul-Stil'.

Das Ziel des Projekts ist es, den Prozess der islamischen Bildung und die Herausbildung transnationaler Bildungsnetzwerke zwischen islamischen Bildungseinrichtungen in Malaysia und Indonesien, einerseits, und in Indien und Pakistan, andererseits, zu untersuchen. Im Mittelpunkt steht dabei der Prozess transkultureller Vermittlung islamischer Bildung. Im Gegensatz zur Behauptung, dass Kulturen aus einem Guss und in sich geschlossen sind, geht das Projekt von der These aus, dass man den Prozess des kulturellen Austausches nur aus der Perspektive der Transkulturalität verstehen kann. Die Untersuchungen werden sich auf die Dynamik des kulturellen Austausches und die Rolle der Akteure des sozialen Wandels konzentrieren.


Eine der wichtigsten theoretischen Fragestellungen, die es zu beantworten gilt, zielt darauf, wie und warum die zunehmende Verknüpfung der Bildungsnetzwerke zur Entstehung von so vielen unterschiedlichen, mitunter widersprüchlichen und rivalisierenden islamischen Denkschulen geführt hat. Andere Fragen der Untersuchung betreffen die variablen Faktoren (soziokulturelle, historische und politische), die dazu beigetragen haben, die Inhalte der über diese Netzwerke vermittelten islamischen Bildung zu formen und zu bestimmen.

Mosche in Singapur, die indische Muslime während der britischen Kolonialherschaft im typischen Indischen Stil erbauten.  
Moschee in Singapur, die indische Muslime während der britischen Kolonialherrschaft im typischen Indischen Stil erbauten.
 

Es wird interessant sein herauszufinden, ob dieser Prozess des Bildungsaustausches zwischen den verschiedenen islamischen Bildungszentren in Südost - und Südasien zur Herausbildung eines "Zwischenraums" oder einer "Kontaktzone" beiträgt, in der ein neues, hybrides, unkonventionelles und innovatives Islamverständnis und asiatische Interpretationen des Islam entstehen. Das führt zur Frage, ob diese "Kontaktzone" tatsächlich das etablierte Islamverständnis in den jeweiligen Gesellschaften infrage stellen kann. Damit verbunden ist die Frage, ob die Ausbildung von Studenten aus Malaysia und Indonesien in den Madrasa-Netzwerken des südasiatischen Subkontinents zur Veränderung von Inhalt und Form der islamischen Wissensvermittlung dort beitrug und ob dies die vielzitierte "Radikalisierung" islamistischer Gruppen und Aktivisten in Südostasien gefördert hat.

Religionsschüler 
in einer pakistanischen Madrassa.  
Religionsschüler in einer pakistanischen Madrasa.
 

In Malaysia und Indonesien werden sich die Untersuchungen auf die Parti Islam Se-Malaysia (Pan Malaysian Islamic Party, PAS), die Malaysische Islamische Jungendbewegung (Angkatan Belia Islam Malaysia, ABIM), die Islamische Reformbewegung Malaysias (Jama'ah Islah Malaysia, JIM), die neo-sufistische Darul-Arqam-Bewegung, die Nahdatul Ulama (NU) und die Muhamadijah konzentrieren.


In Südasien sollen hauptsächlich die islamistischen Bewegungen und Parteien untersucht werden, die für ihre Verbindungen und Zusammenarbeit mit ihren südostasiatischen Partnern bekannt sind. Zu ihnen zählen hauptsächlich die Jama'at-i Islami, die sowohl in Indien als auch in Pakistan vertreten ist, verschiedene Bewegungen und Parteien, die der Tradition des Dar al-'ulum von Deoband zugerechnet werden, wie etwa die pakistanische Jam'iyatu'l-'Ulama-e-Islam, wie auch weitere Gruppen und Deobandi-Bewegungen in Indien und Pakistan. Die Untersuchung wird sich auf religiöse Bildungseinrichtungen mit ihren formellen und informellen Ausbildungsbeziehungen zu islamistischen Bewegungen und Parteien konzentrieren. Letztere reichen von den einfachen ländlichen pondok/pesantren (traditionellen Religionsschulen) bis zu modernen Bildungseinrichtungen.

 

Mit Fragen, Bemerkungen und Kritik wenden Sie sich bitte direkt an den Forscher: farishahmadnoor@yahoo.co.uk

© 2004 für Bilder und Fotos: Dr. Farish Noor - bei evt. Nutzung bitte nachfragen.
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aktualisiert am 24. Juni, 2004