Von der Provinz ins Zentrum: Translokale Perspektiven und Repräsentationen Istanbuls im Reisebericht des Aleppiners Ḥannā ṭ-Ṭabīb
Feras Krimsti
Der umfangreiche und bislang nicht herausgegebene Reisebericht des Aleppiner Arztes Ḥannā ṭ-Ṭabīb, der im 18. Jahrhundert von Aleppo nach Istanbul reiste und seine Erlebnisse niederschrieb, dokumentiert die sich über die eigene Lebenswelt hinaus öffnenden Horizonte gebildeter Einwohner im Bilād aš-Šām am Vorabend der Moderne und legt Zeugnis ab von den einsetzenden Wandlungsprozessen. Im Rahmen des Promotionsprojektes soll untersucht werden, wie die Hauptstadt Istanbul von dem maronitischen Arzt als einem Einwohner der Provinz wahrgenommen und dargestellt wird. Der Polyvalenz des Genres Reisebericht muss dabei Rechnung getragen werden: Zugleich literarische Fiktion und Erkenntniswerkzeug, Konstruktion und Abbildung, gibt er Aufschluss über translokale Perspektiven, womit die Fassung und Konzeptualisierung von Beziehungen über die lokale Sphäre hinaus umschrieben sein soll. Im Vergleich mit anderen arabischen Berichten über Reisen nach Istanbul sollen auf diese Weise Repräsentationen des Verhältnisses Provinz – Zentrum im Osmanischen Reich des 17. und 18. Jahrhunderts untersucht und somit ein Beitrag zum Studium gesellschaftlicher Verhältnisse im arabisch-osmanischen Raum geleistet werden.
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