ANGOLA ON THE MOVE:
TRANSPORT ROUTES, COMMUNICATIONS, AND HISTORY
 

 

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Zusammenfassung (deutsch)

Extract from an Angolan Map (1870)


H
auptziel des Symposiums war es zum einen, ein besseres Verständnis der Dynamik von Transport- und Kommunikationswegen zu erreichen, die seit Jahrhunderten die Geschichte Afrikas tiefgreifend prägen. Zum anderen sollte der Fall Angolas und seines Hinterlands hervorgehoben werden, das in vieler Hinsicht als ein Mikrokosmos afrikanischer Geschichte überhaupt erscheint. In diesem Raum haben lange und oft prekäre Transport- und Kommunikationsverbindungen immer wieder eine entscheidende Rolle gespielt.

Das Symposium fand, mit Unterstützung der VolkswagenStiftung, vom 24. bis zum 26. September 2003 im Leibniz-Zentrum Moderner Orient in Berlin statt, veranstaltet und organisiert von Dres. Beatrix Heintze und Achim von Oppen. Aktiv daran teil nahmen zwanzig auf die Region spezialisierte Wissenschaftler, teils international bekannt und teils noch dem akademischen Nachwuchs zuzurechnen. Sie kamen aus Afrika, Amerika und Europa und gehören verschiedenen akademischen Fächern an, insbesondere der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, der Ethnologie, der politischen und der Kommunikationswissenschaft. Ihre Beiträge (einschließlich dreier weiterer Papiere, die in Abwesenheit zirkulierten) und die daran anschließenden Diskussionen unter den Teilnehmern und einer Anzahl geladener Gäste beschäftigten sich mit einer breiten Palette relevanter Aspekte und ergaben eine Vielfalt neuer Einsichten zum Thema. Sie nutzten die beträchtliche historische Tiefe der Quellen und Forschungen zu Angola und seinem Hinterland, um einerseits sehr langfristige Prozesse zu untersuchen, die vor Jahrhunderten begannen, und andererseits, um sich den heutigen Herausforderungen zu stellen, die sich durch den neuen Aufbruch des Landes nach dem Ende des Bürgerkrieges ergeben. Die Beiträge und Diskussionen beschäftigten sich mit einer Vielzahl verschiedener Formen und Routen von Transport und Kommunikation, von lokalen Fallstudien bis hin zu transafrikanischen und transatlantischen Verbindungen. Dabei wurden die Bewegungen von Menschen und der Transport von Handelsgütern, aber auch die Zirkulation verschiedener Arten von Wissen und Information betrachtet.

Die Beiträge und Diskussionen, die während des Symposiums in neun Sitzungen gruppiert wurden, können entlang von fünf speziellen Debattenfeldern zusammengefaßt werden:

Erstens wurde hervorgehoben, daß die Region eine Geschichte langfristiger Modernisierung von Transport und Kommunikation aufzuweisen hat. Unter den speziellen Bedingungen kolonialer Herrschaft und früher Weltmarktintegration durch Sklaven und tropische Rohstoffe zeigte diese Geschichte der Modernisierung jedoch eine Anzahl tiefgreifender Widersprüche. Das Beispiel Angolas illustriert diese Widersprüche und Ambivalenzen sehr deutlich, auch für die Zeit vor dem 20. Jahrhundert.

Zweitens wurde gezeigt, daß Verkehrs- und Kommunikationsverbindungen in Westzentral-Afrika durch ihre ganze Entwicklung hindurch starke Auswirkungen auf die Geschichte der betroffenen Gebiete und die Lebensbedingungen ihrer Bewohner hatten und zwar auf ökonomischer und sozialer ebenso wie auf politischer und kultureller Ebene.

Drittens untersuchte eine Anzahl von Beiträgen, wie tiefgreifend die Verkehrs- und Kommunikationslinien auch die räumliche Struktur der Region geprägt haben, teils integrierend und teils fragmentierend, im lokalen wie in sehr großräumigen Maßstäben.

Ein viertes Untersuchungsgebiet waren die alltäglichen Raumkonzepte der Menschen, die selbst in Westzentral-Afrika unterwegs waren oder sind. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei auf Landschaftswahrnehmungen in der einheimischen Bevölkerung gelenkt, die durch Routen und Verbindungen geprägt waren, und wie diese sich zu der Betonung von Grenzen und Territorien verhielten, die der Staat (oft mit Gewalt) einführte.

Fünftens, im Hinblick auf konzeptionelle Fragen des Zugangs zum Thema des Symposiums, herrschte Einigkeit, daß die Geschichte von Transport und Kommunikation in (Zentral-)Afrika als eine wichtige Facette globaler Geschichte zu sehen ist. Regionale Studien zu diesem Thema sollten ihre Ergebnisse nicht als Reflexe oder Varianten jener breiteren Geschichte, sondern als konstitutive Bestandteile derselben betrachten. Daraus ergibt sich unter anderem die Forderung multipler Betrachtungsweisen, die auch bei den Untersuchungsmethoden Anwendung finden muß. Eine Geschichte der Mobilität in Afrika und darüber hinaus erfordert eine Vielzahl von Ansätzen, nicht in Konkurrenz sondern in Ergänzung zueinander.


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Zuletzt gespeichert: 02.03.2004