Geschichtsbilder

Zusammenleben in Homs im Spannungsfeld zwischen Raum, staatlichen Institutionen und Interkonfessionalität: Schule als ein interaktiver Begegnungsraum

Inana Othman

Das Projekt beschäftigt sich mit Dynamiken von sozialem Zusammenleben und gegenseitiger Abgrenzung in der Stadt Homs vor 2011. Diese Prozesse werden im Spannungsfeld von staatlichen Institutionen, Alltagspraxis und Interkonfessionalität untersucht. Im Fokus steht dabei die ambivalente Rolle von Schule als Ort der Begegnung, aber auch staatlicher Disziplinierung und Autorität.

Durch narrative Interviews mit in Berlin und Brandenburg lebenden Menschen aus Homs fragt das Projekt, wie SchülerInnen, Elternhäuser und LehrerInnen staatliche Schulen als soziale Begegnungsräume unterschiedlicher konfessioneller Gruppen erfahren haben und wo die Grenzen dieser Begegnungen lagen. Im Zentrum stehen die Widersprüche zwischen staatlicher bzw. baathistischer Rhetorik und Alltagserfahrungen. Während politische Rhetorik sowie Unterrichtsinhalte, insbesondere durch den obligatorischen Qaumiyya („Nationalkunde“)-Unterricht, systematisch und offiziell die „nationale Identität“ und die „Einheit und Gleichheit aller Syrer“ propagierten, erlebten SyrerInnen in einer Stadt wie Homs einen zum größten Teil konfessionell geteilten städtischen Raum. Dieses Projekt stellt daher die Fragen: Wie haben die SyrerInnen aus Homs in diesem Kontext den öffentlichen Raum wahrgenommen und genutzt? Wie wurde die Schule (Lehr- und Lernpraktiken wie auch der Schullehrplan) als staatlich organisierter, organisierender und disziplinierender „Raum und Institution“ erlebt? Welche Auswirkungen hatten diese Erfahrungen auf das Zusammenleben verschiedener ethnisch-konfessioneller und sozialer Gruppen in Homs vor 2011?

Dieses Forschungsprojekt ist Teil des Verbundprojekts „Normalität und Krise: Die Erinnerung an den Alltag in Syrien als Chance für den Neuanfang in Deutschland“.