Bestände

Katalogbestand (Bücher, Zeitschriften sowie im Bibliothekskatalog verzeichnete Sondersammlungen)

Die seit 1992 bestehende Bibliothek des Leibniz-Zentrums Moderner Orient umfasst ca. 85000 Bände und bezieht ca. 60 laufende Zeitschriften. Sie ist als wissenschaftliche Spezialbibliothek für die Forschungsschwerpunkte des Zentrums konzipiert und konzentriert sich auf die Beschaffung von Neuerscheinungen zu historischen, ethnologischen und politikwissenschaftlichen Themen der Länder des Nahen Ostens, Afrikas und Südasiens. Besonderes Gewicht wird auf Aktualität und Schnelligkeit bei der Beschaffung, sowie auf Veröffentlichungen gelegt, die in den betreffenden Ländern selbst erschienen sind. Im Januar 2020 umfasste der Neubestand der Bibliothek 37504 Bände. Der Neubestand an Zeitschriften umfasst 292 Titel und ist über den Online-Katalog sowie über die Zeitschriftendatenbank (ZDB) erfasst. Neben den derzeitigen Abonnements an Print-Zeitschriften bezieht die Bibliothek zahlreiche Online-Zeitschriften, verfügt über 7672 Mikrofiches, 556 Mikrofilme und einige Videokassetten bzw. DVD's.

Neben diesem regulären Bestand umfasst die Bibliothek beispielsweise auch die Dauerleihgabe Teilbibliothek Akademie der Wissenschaften der DDR, die Fritz und Gertraud Steppat-Schenkung, die Nachlässe des Afrika-Historikers Jürgen Herzog, des Nahost-Historikers Gerhard Höpp und des Indologen Horst Krüger. Zwei dieser Büchersammlungen haben den Bestandsaufbau in besonderem Maße geprägt. Zunächst wurden von der Berlin-Brandenburgischen Akademie ca. 10.000 Bände Monographien und 297 Zeitschriftentitel aus der Teilbibliothek für Deutsche und Allgemeine Geschichte der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR zur Orientalistik als Dauerleihgabe übernommen. Der zweite bedeutende Zuwachs entstand mit der Fritz und Gertraud Steppat-Schenkung im Umfang von ebenfalls ca. 10.000 Bänden an überwiegend arabischsprachigen Monographien sowie an Zeitschriften. Mit der Teilbibliothek der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR gelangten auch (z. T. arabische) Manuskripte in die Bibliothek des ZMO, u. a. eines aus dem Bereich islamisches Recht: ﻣﹸﺤﹶﻤﱠﺪﹲ ﻋﹶﻼﹶﺀﹸ ﺁﻟﹾﺪﱢﻳﻦﹺ ﺑﹾﻦﹺ ﻋﹶﻠﹺﻲﱢ ﺁﻟﹾﺤﹶﺴﹾﻜﹶﻔﹺﻲﱢ ﺁﻟﹾﺤﹶﻨﹶﻔﹺﻲﱢ ﺁﻟﹾﻌﹶﺒﱠﺎﺴﹺﻲﱢ : ﺧﹸﻼﹶﺻﹶﺔﹸ ﺁﻟﹾﻔﹸﺮﹸﻭﻉﹺ Muḥammad ʿAlāʾ-ad-Dīn Ibn-ʿAlī al-Ḥaskafī al-Ḥanafī al-ʿAbbāsī : Ḫulāṣat al-furūʿ. Das Werk wurde im Jahre 1071 der Hiǧra (1660 n.Chr.) abgefasst und trägt die Signatur 83/731. Ergänzend zu der genannten Identifikation siehe das Kolophon.

Weitere wertvolle private Büchersammlungen in der ZMO Bibliothek stammen von: Dr. Petra und Joachim Heidrich (Sozialgeschichte modernes Indien), Dr. habil. Peter Sebald und Prof. Trutz von Trotha (Togo), Prof. Dr. Werner Ende (Wahhābīya, Zwölferschia), Dr. Harald Vocke (Libanon, Golfstaaten) Dr. Rudolf Schmidt (Türkei, Afghanistan), Konsul a. D. Wolfgang Zielke (Tansania), Georges Khalil (arabische Primärquellen, Ägypten), Dr. Rainer Glagow (Islamwissenschaft), Heinz Albach (Islamische Revolution in Iran), Friedhelm Hoffmann (arabische Forschungsliteratur, Maghreb), Dr. Dina Wilkowsky (Zentralasien), Dr. Samuli Schielke (Primärquellen von ägyptischen Sufi-Bruderschaften), Dr. Bettina Gräf (Rechtsgelehrter Yūsuf ʿAbdallāh al-Qaraḍāwī), Prof. Dr. Jakob Rösel (Pakistan, Sri Lanka und Indien), Dr. ʿĀdil Fraiǧāt (vollständige Serien arabischer Zeitschriften), Ole Heidrich (Petra und Joachim Heidrich), Jane Dulfaqar (Hassan Dulfaqar, Iraq), Prof. Dr. Volker Perthes (vollständige Serien arabischer Zeitschriften), Dr. Gerdien Jonker (Muslime und Deutsche), Dr. Götz Nordbruch (arabische Forschungsliteratur, Zeitgeschichte), Omanische Botschaft / Sultan Qaboos Higher Centre (aktuelle Publikationen aus Oman), Dr. Reinhard Eisner (russisch, tadschikisch und usbekisches Schrifttum zu Zentralasien). Alle Publikationen (außer ein kleiner Teil von Ende und Rösel) sind im Online-Katalog erfasst.

Sonderbestand (Archivalien sowie im Findbuch bzw. auf der Website verzeichnete Sondersammlungen)

Einen herausragenden Teil des Bibliotheksbestandes bilden die bei uns als "Archivalien" bezeichneten Sondersammlungen, welche nicht im Bibliothekskatalog verzeichnet sind. Dieser Archivbestand umfasst neben Aktenmaterial auch Plakate, Fotografien, Postkarten, Tagebücher, Mikroformen (Mikrofilme, Mikrofiches), Tageszeitungen, museale Objekte sowie verschiedene Formen von Datenträgern. Zu den Sondersammlungen gehören ansonsten auch Musik-CDs, CD-Roms, Filme (Video, DVD) sowie frühneuzeitliche Handschriften, welche allerdings im regulären Bibliothekskatalog verzeichnet sind und daher in der Bibliothek zum Buchbestand gerechnet werden. Die Archivalien als Teil der Sondersammlungen stammen zum größten Teil aus Nachlässen, Schenkungen und Dauerleihgaben. Auf unserer Website sind die umfassenden Privat-Archive von Gerhard Höpp, Horst Krüger, Fritz Steppat, Werner Ende, Peter Sebald, Jürgen Herzog, Petra und Joachim Heidrich jeweils - neben den enthaltenen großen Büchersammlungen - auf den diesen herausragenden Nachlässen gewidmeten Einzel-Webseiten beschrieben (siehe die Links ganz oben auf dieser Seite). Handelt es sich bei Archivalien hingegen eher um Materialien zu begrenzten Themenaspekten, welchen nicht die Absicht oder der Anspruch einer vollständigen Sammlung bzw. eines umfassenden Privatarchives zugrunde liegt, dann werden diese als Forschungsmaterialien bezeichnet und auf der entsprechenden Webseite für Forschungsdaten verzeichnet. Detaillierte Informationen zur Geschichte der Bestände, insbesondere auch der Nachlässe und Archivalien, finden sich in den Jahresberichten. Der Archivbestand wird in einem elektronischen Findbuch oder direkt auf der Website verzeichnet. 

In gewisser Weise könnte der gesamte Bibliotheksbestand des ZMO aus Afrika, Nahost und Südasien nach allgemeinem bibliothekarischem Sprachgebrauch zu den Sondersammlungen gerechnet werden, da er aufgrund Erschließung der Sprachen oder Wegen der Beschaffung eine besondere Behandlung erfordert. Oft werden Sondersammlungen auch entsprechend ihrem Material definiert. Insofern muss hier nach den Begebenheiten vor Ort noch einmal spezifiziert werden. "Sondersammlungen zeichnen sich durch ihren ideellen und materiellen Wert aus, durch ihre Einmaligkeit oder Seltenheit und durch ihre hervorgehobene Bedeutung, die sie im Erwerbungs- und Bestandserhaltungsprogramm einer Bibliothek haben. Ob Bibliotheken bestimmten Materialien den Status von Sondersammlungsmaterialien geben, hängt jeweils von den historischen, lokalen und institutionellen Voraussetzungen ab und wird von Bibliothek zu Bibliothek unterschiedlich geregelt." In der Vergangenheit wurden Sondersammlungen lange vernachlässigt, denn "wer interessiert sich schon für diese Alt- und Sonderbestände, wenn nicht einige wenige Exoten und Käuze, hat man doch auf der anderen Seite die langen Schlangen von Studenten vor der Ausleihtheke, jeder einzelne ein erwünschter Benutzungsfall für die Statistik, die das Sein der Bibliothek begründet" (Sondersammlungen im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2008, S. VII, 82). Immer mehr wird jedoch ihr Quellenwert für Forschung und Lehre erkannt sowie ihre Bedeutung für das kulturelle Erbe. Im Zuge öffentlichkeitswirksamer Maßnahmen (Internet-Portale wie MIDA, Ausstellungen), vor allem aber aufgrund von Digitalisierungsprojekten konnten Interesse und Wertschätzung enorm gesteigert werden. Digitalisierung und Vernetzung bilden den Schlüssel zum Erfolg, um auf der einen Seite eine sehr spezifische, global verstreute Nutzergruppe und auf der anderen Seite sehr spezielles Forschungsmaterial zusammenzubringen. In diesem Zusammenhang bildet die sammlungsspezifische Erschließung das entscheidende Merkmal für die Definition. Dem entspricht das Konzept der ZMO-Bibliothek, den Sonderbestand (im Unterschied zu allen im regulären Verbundkatalog verzeichneten Sondermaterialien wie arabische Buchtitel, Musik-CDs, DVDs, Video-Filme ...) zu definieren als Sondermaterialien, welche (im Idealfall neben einer Digitalisierung) eine sammlungsspezifische Erschließung in einem eigenen Repositorium mit Anbindung an entsprechende Netzwerke erfordern.

Zeitungen: Die Bibliothek stellt alle Jahrgänge der Zeitschrift ﺍﻟﻣﻨهل [al-Manhal] (Schenkung des King Faisal Centre for Research and Islamic Studies) von 1937 bis 1965 sowie der Tageszeitung ﺍﻟﺤﻴﺎﺓ [al-Ḥayāt] (Großbritannien) von Juli 2002 bis zur Ausgabe vom 23. Febr. 2009 zur Verfügung, darüber hinaus die Jahrgänge 1984-2003 von ﺍﻟﺟﺰﻳﺮﺓ [al-Ǧazīra] (Saudiarabien), ﺍﻻﻫﺮﺍﻡ [al-Ahrām] (Ägypten) von März 1986 bis Juni 1997, ﺍﻟﺜﻮﺭﺓ [aṯ-Ṯaura] (Irak) 1977-1990 lückenhaft, ﺍﻟﻘﺒﺲ [al-Qabas] (Kuwait) 1988-1990 lückenhaft, ﺍﻟﺮﻳﺎﺽ [ar-Riyāḍ] (Saudiarabien) November 1995 und Februar/März 1999, ﺍﻟﻮﻃﻦ [al-Waṭan] (Saudiarabien) Juli/August 2001, ﺍﻟﺸﺮﻕ ﺍﻻﻭﺳﻄ [aš-Šarq al-ausaṭ] (Großbritannien) Oktober/November 1993, The Jerusalem Post (U.S.A.) 1980-1981 lückenhaft.

Forschungsdaten: WissenschaftlerInnen archivieren in der Bibliothek ihre Forschungsmaterialien, die sie zu verschiedenen Themen zusammengetragen hatten. Die Möglichkeit einer Einsichtnahme kann in Absprache mit den WissenschaftlerInnen, von denen das Material stammt, bei der Institutsleitung beantragt werden.