Geschichtsbilder

Geschichtsbilder in Vorbildkonstrukten

Dr. Heike Liebau

Im Rahmen des Projekts werden die Etablierung, Nutzung und Wirkung von Vorbildkonstrukten im spät- bzw. postkolonialen Indien untersucht. Im Zentrum des Interesses stehen Vorbilder, die auf historische Persönlichkeiten zurück gehen. Durch Vorbildkonstrukte, die auf Rückgriffe in die Geschichte basieren, werden unterschiedliche temporale Ebenen miteinander verknüpft, und dadurch Bezüge zwischen anwesenden und abwesenden Zeiten (Landwehr) erzeugt. Ein zentrales Anliegen ist, Zusammenhänge zwischen Vorbildkonstruktionen und Geschichtsbildern sowie Zukunftserwartungen herauszuarbeiten. Gefragt wird nach den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen einer historischen Persönlichkeit Vorbildcharakter zu- bzw. abgesprochen wird, nach den entsprechenden Zielen und danach, auf welche Weise und mit welchen Mitteln diese Prozesse umgesetzt werden. Das schließt Untersuchungen zu den Produzenten und Rezipienten der Vorbildkonstrukte sowie zur medialen und materiellen Begleitung ein. Konkurrierende Narrative in Textquellen werden ebenso ausgewertet wie visuelles Material oder Objekte und Denkmäler. Forschungsleitende Fragen sind unter anderem: Wie ist das Verhältnis von historischer Dokumentation und faktengestütztem Wissen einerseits und Verfremdung, Verklärung, Heroisierung andererseits? Welche Rolle spielen Vorbilder für Produzenten bzw. Rezipienten und wie wird ihre Geschichte von einer individuellen Biographie zur universal gültigen Moral-und Handlungsquelle? Welche Prozesse des Bewertens, Umwertens oder Entwertens von Vergangenheit liegen dem Umgang mit Vorbildern zugrunde?