Lebensalter und Generation

Veteranen, Freiwillige und Staatliche Wohlfahrt im (post)kolonialen Ostafrika

PD Dr. Katrin Bromber

Das Projekt untersucht Beziehungen zwischen den Generationen durch das soziale und institutionelle Engagement in Freiwilligenorganisationen in (post)kolonialen Ostafrika. Hierbei handelt es sich konkret um die Verbindungen zwischen dem YMCA/YWCA, der Scouts Bewegung, den nationalen Verbänden des Roten Kreuzes bzw. Roten Halbmonds oder den Pionierorganisationen und Verbänden für Veteranen der Weltkriege oder des Unabhängigkeitskampfes. In diesem Zusammenhang fragt es danach, inwiefern zunächst auf unterschiedlichen Trägern verteilte Betreuung älterer Menschen nicht mehr nur als familiäre Pflicht, sondern zunehmend als Aufgabe des Staates und seiner Organisationen angesehen wurde.

In vergleichender Perspektive untersucht das Projekt, wie die Verbindungen zwischen Familie, zivilgesellschaftlichen Institutionen und dem Staat in Äthiopien (1940er-1970er) sowie Ostafrika (1940er-1980er) hergestellt wurden. Dabei sind drei Fragen von besonderer Bedeutung: Erstens, inwiefern diente die Darstellung des Veteranen als gesellschaftliches Vorbild für die Formung der Jugend als „Fackelträger des Fortschritts“? Zweitens, erzeugten fortschrittsbezogene Konzeptualisierungen „des“ Veteranen spezifische Vorstellungen über richtiges Altern? Drittens, inwiefern erzeugte das Erbe des Veteranen einerseits materiellen Wohlstand und Ansehen und andererseits Erwartungen und gesellschaftlichen Druck? Welche Auswirkungen hatte dieses Spannungsverhältnis für die Beziehungen zwischen den Generationen?

Das Projekt untersuch somit konkrete Versuche, die Jugend als teleskopische Verlängerung einer vorgestellten Zukunft konzipiert, die häufig mit den Zukunftsvorstellungen der Jugend selbst kollidierte. Indem die Beziehungen zwischen den Generationen in den Fokus gerückt werden, schließt das Projekt produktiv an die vorangegangene ZMO Forschung zu Ideen, Akteure und Symbolen von Fortschritt (2014-19) an.