Umwelt und Gerechtigkeit

Urbane Infrastruktur in Aleppo vor 2011. Zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume und Staatsmacht im Kontext von Wasserversorgung und Müllentsorgung

Lisa Jöris

Dieses Forschungsprojekt befasst sich mit zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen im Kontext von Netzwerken städtischer Infrastruktur in der Stadt Aleppo vor der syrischen Revolution 2011/2012. Die zentrale Frage ist, wie die Stadtbewohner*innen den Zugang zu Wasser und Strukturen der Abfallentsorgung in ihrem alltäglichen Leben wahrnahmen, beeinflussten und verhandelten. Auf diese Weise werden die alltäglichen Interaktionen der Einwohner*innen mit dem syrischen Staat analysiert, die durch die Nutzung von städtischen Infrastruktursystemen vermittelt wurden. Das Forschungsprojekt leistet damit einen Beitrag zur Erforschung von Alltag und zivilen Handlungsspielräumen in autoritär regierten Staaten.

Dabei befinden sich diese Handlungsspielräume in einem Spannungsfeld: Einerseits wurde die Bereitstellung von Infrastruktur in Syrien im Allgemeinen als Aufgabe des Staates betrachtet. Andererseits zeigt die Analyse, wie die staatlichen Institutionen in Aleppo nicht immer prioritär darauf abzielten, funktionierende Systeme der Wasserversorgung und Müllentsorgung zu etablieren. Vielmehr blieb die Verantwortung hierfür oftmals bei den einzelnen Haushalten. Ziel der Studie ist es, den Handlungsspielraum (und seine Grenzen) zu analysieren, der sich den Einwohner*innen der Stadt in diesem Gefüge eröffnet hat.

Dieses Forschungsprojekt ist Teil des Verbundprojekts „Normalität und Krise: Die Erinnerung an den Alltag in Syrien als Chance für den Neuanfang in Deutschland“.